Karl Marx (1818 bis 1883): Denker für mehr Menschlichkeit

Karl Marx würde im Mai 202 Jahre alt. Er hat als Erster das System des Kapitalismus umfassend analysiert. Neben der ökonomischen Sicht hat er eine individuelle, anthropologische Perspektive eingeführt und gezeigt, dass der Kapitalismus den Menschen entfremdet.

Gemälde des Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretikers und Protagonisten der Arbeiterbewegung um 1920. Foto: picture alliance
Gemälde des Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretikers und Protagonisten der Arbeiterbewegung um 1920. Foto: picture alliance

Wirkmächtig war die Theorie des Karl Marx: Die vielen Begriffe und Inhalte, die unser Denken bestimmt haben und weiter maßgebend sind: Die Bedeutung der Arbeit, die Entfremdung des Menschen im Kapitalismus, der Mehrwert, die Ausbeutung: Einige Marxsche Ideen sind Allgemeingut geworden. „Die herrschenden Gedanken sind immer die Gedanken der Herrschenden“. Der entscheidende Beitrag von Marx war, dass er als Erster das System des Kapitalismus umfassend analysiert hat. Hier handelt es sich um eine ökonomische Analyse. Dabei ist Marx aber nicht stehen geblieben. Er hat eine individuelle, anthropologische Perspektive eingeführt und gezeigt, dass der Kapitalismus den Menschen in verschiedenen Dimensionen entfremdet. Diese beiden Perspektiven wurden in der bisherigen Rezeptionsgeschichte des Marxschen Werks unterschiedlich gewertet. Die anthropologische Perspektive wurde vom „dogmatischen Marxismus/Stalinismus“ vollständig negiert.

Arbeit und Entfremdung

Der junge Marx entwickelte in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten von 1844 sein Menschenbild (1). Der Mensch ist das arbeitende, sich durch seine Arbeit produzierende Wesen. Dem sich durch die Arbeit vergegenständlichenden Menschen stellt sich aber ein entscheidendes Hindernis entgegen: die Entfremdung. Entfremdung bedeutet für Marx, „dass der Mensch sich selbst in seiner Aneignung der Welt nicht als Urheber erfährt, sondern die Welt (die Natur, die anderen und er selbst) ihm fremd bleiben“. (2). Der Lohnarbeiter, der seine Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt als Ware anbieten und verkaufen muss, kann sich in dem Produkt seiner Arbeit – dem Kapital – nicht vergegenständlichen, weil das Kapital eine fremde Macht ist, die ihn beherrscht.

Diese Entfremdung des Arbeiters vom Produkt seiner Arbeit ist die erste, allen anderen zugrunde liegende Form der Entfremdung. Daraus, dass der Arbeiter sich nicht im Produkt seiner Arbeit anschauen kann, folgt, dass auch die Tätigkeit des Produzierens selbst ihm fremd wird. Die Arbeit, die eigentlich menschliche Existenzweise, wird daher beim Arbeiter zu einem bloßen Mittel für die biologische Existenzerhaltung. Daraus folgt, dass der Mensch sich selbst entfremdet ist. Hieraus wieder ergibt sich die letzte Form der Entfremdung, die entfremdeten Beziehungen der Menschen zueinander, das heißt, der Mensch ist nur Mittel zum Zweck. Die Aufhebung der Entfremdung und die Aneignung des menschlichen Wesens durch den Menschen kann nur durch eine Aufhebung der Lohnarbeit erreicht werden. Dazu sind eine sozialistische Revolution und der Kommunismus notwendig. Im Kapitalismus ist die Arbeitstätigkeit in erzwungene, entfremdete und sinnlose Arbeit verkehrt (2). Die Verwandlung der entfremdeten sinnlosen Arbeit in produktive freie Arbeit ist Marxʼ zentrale Orientierung, nicht eine bessere Entlohnung, seine entscheidende Kritik am Kapitalismus ist auch nicht die ungerechte Verteilung des Reichtums.

Ökonomische Analysen

Marx wollte mit wissenschaftlicher Exaktheit die Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Gesellschaft aufzeigen – im Gegensatz zu den utopischen Sozialisten, die die kapitalistische Gesellschaft moralisch verurteilten und ihr ein Ideal entgegenstellten – und aus ihnen die Notwendigkeit der Herkunft einer neuen, sozialistischen Gesellschaftsordnung ableiten (3). Die ständig mehrwertschaffende Lohnarbeit führt zur Kapitalakkumulation. Das konkurrierende Profitstreben der Kapitalisten bedingt eine ständig wachsende Industrialisierung und Arbeitsteilung. Infolge des zunehmenden Anteils des „konstanten Kapitals“ (Sachmittel) am Gesamtkapital (variables Kapital = Lohnkapital) fällt die Profitrate. Die Klein- und Mittelbetriebe werden konkurrenzunfähig und von den Großbetrieben aufgesaugt (Konzentration des Kapitals). Die Produktivität der Arbeit steigt, die Teilarbeiten werden immer einfacher und damit billiger und es entsteht ein wachsendes Arbeitslosenheer, das die Konkurrenz unter den Arbeitssuchenden verstärkt. Das hat die Verelendung des Arbeiters zur Folge. Durch die Massenproduktion kommt es immer wieder zu Überproduktionskrisen, die zunehmend heftiger werden. Der Widerspruch ist also der, dass bei zunehmendem Reichtum der Gesellschaft das Elend der Massen zunimmt und es gerade in den Zeiten zu Krisen kommt, in denen viel produziert wird. Das liegt nach Marx daran, dass die unter dem Industriekapitalismus entwickelten Produktivkräfte über die Produktionsverhältnisse (Eigentumsverhältnisse) der bourgeois-kapitalistischen Gesellschaft hinausgewachsen und in einen Gegensatz zu ihnen getreten sind. Die Produktionsverhältnisse sind immer mehr zu Fesseln der weiteren Entwicklung geworden. Der Charakter der Produktivkräfte ist ein gesellschaftlicher und diesem verdanken sie ihre Größe, aber die Aneignungsweise der Produkte ist nach wie vor eine private.

Dieser Widerspruch wird nach Marx durch die Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln beseitigt. Für die gewaltige Steigerung der Produktivität der Arbeit war die Epoche des Kapitalismus notwendig. Erst nachdem die kapitalistischen Produktionsverhältnisse aus Entwicklungsbedingungen der Produktion zu Fesseln desselben geworden sind, hat die proletarisch-sozialistische Revolution Chancen auf Erfolg und weltgeschichtlichen Sinn. Die menschliche Geschichte hat Marx als Geschichte von Klassenkämpfen konzipiert, bei der sich immer zwei Klassen feindlich gegenüberstehen.

Marx’ Leben in Armut

Marx war nicht ausschließlich Theoretiker, er war auch publizistisch und politisch als Revolutionär tätig. Bei politischen Aktionen mahnte er zur Vorsicht. Er war im englischen Exil von Armut betroffen und musste viele Jahre lang um seine Existenz und die seiner Familie kämpfen: Wäre er ein zeitgenössischer Forscher gewesen, hätte er vielleicht eine Professorenstelle an einer Universität gehabt, ein gesichertes Einkommen und einen guten Rahmen für seine Forschungen. Dann würde sein Werk heute wohl anders aussehen, es wäre nicht so unvollendet, wie Neffe (4) es interpretiert. Eine Ungereimtheit: Sein Freund Friedrich Engels hat ihn zwar finanziell unterstützt, doch nicht dergestalt, wie er es sich hätte leisten können. Armut und Krankheiten zehren Marx und seine Ehefrau Jenny. Vier von sieben Kindern starben in den 1850er Jahren früh im Kindesalter.

Polarisierende Interpretation

An der Interpretation von Marx schieden und scheiden sich die Geister. Für einige war und ist er ein Gott, im Extrem wurden aus seinen Lehren Gesetze und Dogmen gemacht, für andere war er ein Verbrecher oder der Urheber von Verbrechen. Im Namen des Kommunismus und des Marxismus, aber nicht im Sinne von Marx, sind millionenfache Verbrechen verübt worden, wie Courtois und andere ausführlich zusammenfassend und rückblickend beschrieben haben (5). Marx selbst hat sich gegen die Dogmatisierung seiner Analysen ausgesprochen.

Entgegen anderen Stimmen kann eine Kontinuität im Denken von Marx angenommen werden, die von seinen frühen zu den späteren Schriften, auch zu seinem Hauptwerk „Das Kapital“ führt. Die Geister scheiden sich auch an der Frage, ob Marx primär als historische Figur des 19. Jahrhunderts gesehen werden sollte und seine Botschaften auch für dieses Jahrhundert gedacht waren und weniger oder nicht für das 21. Jahrhundert. Einige Stimmen behaupten, dass er mit seiner Analyse des entfesselten Systems des Kapitalismus die globalisierte Welt unserer Tage bis hin zur Finanzkrise vorausgesagt habe, so im „Kommunistischen Manifest“ (6).

Fromm hat Marx und Freud verglichen und Marx als den bedeutenderen Denker hervorgehoben (7). Der Soziologe Norbert Elias hingegen hat Freud hervorgehoben, und Marx diesem gegenüber abgewertet.

Als erster bedeutender Kritiker des Kapitalismus geht Marx in die Geschichte ein. Im Lauf der letzten Jahrzehnte hat der Kapitalismus die moralischen und sozialen Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders ausgehöhlt. Viele Menschen haben von der kapitalistischen Warenproduktion materiell profitiert und konnten und können damit gut leben. Sie sind nicht verelendet, wie Marx prophezeit hat. Aber die kapitalistischen Systeme bedrohen das Überleben der Menschheit, beispielsweise beim menschengemachten Klimawandel.

Mit den Formen der Entfremdung hat Marx auch beschrieben, welche Art von Zurichtung das „Ich“ in der spätkapitalistischen Gesellschaft erfahren muss, damit es den Anforderungen genügt, die zum möglichst reibungslosen Funktionieren des Systems erforderlich sind: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Aber er hat auch gezeigt, dass das kein feststehendes Naturgesetz ist, sondern veränderbar: Menschen sind die Akteure ihrer Geschichte. Für Marx stand als Ziel die Herstellung nicht-entfremdeter Verhältnisse und die freie Tätigkeit aller Menschen im Vordergrund. In der dem Kapitalismus nachfolgenden Gesellschaftsformation, dem Sozialismus, soll der Mensch seine wahren Bedürfnisse verwirklichen können.

Nach Marx kann ein Abschied von der Theorie und von den Gewissheiten festgestellt werden und eine Ersetzung durch die pragmatischen Anforderungen der Gegenwart. Neffe sieht ihn als den Unvollendeten, der eine große Fläche für Projektionen bietet. Marx kann so als Philosoph der Freiheit und Denker für mehr Menschlichkeit gesehen werden, der eine grundlegend andere, eine „bessere“ Zukunft ermöglicht. Joachim Koch

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/pp/lit0518


 Eine Analyse des gefährlichen Fundamentalismus:
Die Materialisten an der Arbeit !
In unserer Zeit, die durch den Niedergang des Kapitalismus geprägt ist, macht das Phänomen des gefährlichen Fundamentalismus vermehrt von sich reden. Von islamischem und nationalem Fundamentalismus wird öfter geschrieben aber auch von christlichem, buddhistischen, hinduistischem, usw. Dieser Artikel möchte das Phänomen des Fundamentalismus allgemein näher beleuchten und insbesondere auch auf die Gefährlichkeit des materialistischen Fundamentalismus und die Rolle dieser Denkweise hinweisen.

Die beste aber nicht einzige Methode, die dies ermöglicht, ist die Denkweise des Dialektischen Materialismus, die vor allem auch im Kampf gegen den materialistischen Fundamentalismus und Positivismus von Eugen Dühring entstand. Marx und Engels erkannten zu ihrer Zeit bereits die Gefährlichkeit dieses Denkens und griffen dessen Vertreter wie Dühring mit Artikelserien und Thesen scharf an, die z.B. in der Textsammlung „Anti Dühring“ zusammengefasst sind.

Ein wesentlicher Bestandteil des gefährlichen Materialismus und Fundamentalismus von Dühring ist der Positivismus, als deren wichtigster Begründer er heute gilt:
Er erkannte nur sinnliche Wahrnehmungen und daraus abgeleitete Verstandesschlüsse als Wirklichkeit an und behauptete gegen Immanuel Kant die Übereinstimmung von objektiver Realität mit ihrer naturwissenschaftlichen Beschreibung. Mit diesem Anspruch bekämpfte er allen Subjektivismus und Idealismus, alle Religion und Metaphysik. Er lehrte in Anlehnung an Auguste Comte, Voltaire und Ludwig Feuerbach, aber gegen Hegel und Karl Marx eine „Wirklichkeitsphilosophie“, die ihm zufolge „Prinzip allseitiger Gestaltung des Lebens“ werden sollte. Er wird deshalb dem neuzeitlichen antimetaphysischen Atheismus zugerechnet. Dabei beschrieb er die Rassen als Ergebnis der natürlichen Entwicklung der Menschheit.

Auf Grundlage seiner materialistischen und positivistischen Denkweise schrieb Dühring 1881 seine Kampfschrift: „Die Judenfrage als Rassen-, Sitten- und Kulturfrage“ mit einer weltgeschichtlichen Antwort.
Sie war ein pseudowissenschaftlicher Versuch, dem Antisemitismus als politischer Bewegung ein biologisches, historisches und philosophisches Fundament zu geben. Er beschrieb die „Judenfrage“ – ähnlich wie vor ihm Wilhelm Marr, aber anders als dieser mit wissenschaftlichem Anspruch – als Ausdruck eines unaufhebbaren Rassengegensatzes: Das Judentum sei von Natur aus unvermeidbar der Feind aller Kulturvölker, die sich gegen diesen wehren müssten, um nicht unterzugehen.
Die traditionelle Sicht des Judentums als Religion sei eine Irreführung durch „Priester und Religionsaufklärer“: Deshalb seien Angriffe kirchlicher Theologen wie August Rohling auf den Talmud nebensächlich. Entfalle die religiöse Maskerade, dann werde „der Jude in seiner natürlichen und unveräußerlichen Beschaffenheit offenbar“. Diese Eigenart des Judentums hätten das „niedere Volk und der gewöhnliche Bürgerstand“ mit ihren „natürlichen Instinkten“ immer gespürt. Daran könne auch die Taufe von Juden nichts ändern: Diese würde die Gefahr des Einsickerns von Juden in alle Bereiche der Nation nur vergrößern und Gegenreaktionen erzeugen. Da die jüdische Religion nur Ausdruck von Rasseeigenschaften sei, sei der Unterschied zwischen getauften, angepassten und nicht getauften Juden hinfällig.
Der Monotheismus sei Ausdruck jüdischer Intoleranz: Der Judengott ist unduldsam wie sein Volk... Die Juden sind seine Knechte, aber dafür wollen sie die Herren der Welt sein. Auch kulturell sei die jüdische Rasse völlig wertlos und nichts als „eingefleischte Selbstsucht“. Der Jude könne nur Werte anderer Völker stehlen und ausbeuten. Als Parasit sorge er für die Korruption seiner Umgebung, da er sich dort am wohlsten fühle. Er führe „seit Urzeiten gegen das Menschengeschlecht“ einen „Unterdrückungs- und Ausbeutungskrieg“. Die Völker müssten sich gegen die Juden wehren wie Rom gegen Karthago, um nicht selbst unterzugehen. Mit diesen Formulierungen spielte Dühring auf bekannte Klischees an: das odium generis– einen den Juden in der Antike oft (etwa von Tacitus) nachgesagten „Hass gegen die Gattung Mensch“ und die zum Sprichwort gewordene Forderung Ceterum censeo Carthaginem esse delendam des römischen Senators Cato. Damit verlangte er indirekt die Vernichtung des Judentums.

An dieser Zusammenfassung der materialistischen und positivistischen Denkweise des rechten und von Eduard Bernstein geförderten Sozialdemokraten Eugen Dühring ist ganz klar erkennbar, das er einer der wichtigsten Vordenker der Nazis und des Völkermordes an den Juden gewesen ist. Und es wird deutlich das er mit seinem Antisemitismus Karl Marx und seine Kommunisten persönlich treffen wollte, was die Nazis ebenfalls umsetzten und mit der „Vernichtung der Jüdisch / Bolschewistischen Weltverschwörung“ umschrieben.

Die Denkweise des Dialektischen Materialismus kennt im Gegensatz zum positivistischen und sonstigen Materialismus keine endgültigen und ewigen Wahrheiten oder Realitäten. Die Sinnesorgane der Spezies Mensch sind im laufe der Evolution geformt und trainiert, so das schon nur der Schatten oder ein verzerrtes Spiegelbild der Realität und der Umwelt wahrnehmbar ist und diese zusätzlich noch subjektiv und temporär verschieden ist. Neben diesem erkenntnistheoretischen Element besteht der Dialektische Materialismus natürlich auch aus Dialektik was bedeutet das der Mensch selber, seine Gesellschaft und alle materiellen Dinge sich stetig verändern und nicht ewig gleich bleiben. Im Focus des Dialektischen Materialismus sind dabei die Entwicklung der Produktivkräfte und das Wirtschaftssystem als ökonomische Basis, deren Weiterentwicklung Veränderungen innerhalb und zwischen den verschiedenen Klassen der Gesellschaft bewirken und den Klassenkampf als Motor der Geschichte auf Touren bringen.

Der nackte Materialismus mit seinem Positivismus hat also rein gar nichts mit dem Dialektischen Materialismus von Marx und Engels zu tun, er ist vielmehr die feindlichste Denkrichtung, was auch an aktuellen Beispielen aufgezeigt werden kann.
Der Dialektische Materialismus ist als Wissenschaft reinster Humanismus und bestrebt, dem Menschen und seiner Gesellschaft Verbesserungen zu bringen.

Unwissenschaftliche Denkmethoden, zu denen insbesondere auch der einfache Materialismus und Positivismus gehört, erklären den gefährlichen Fundamentalismus aber nicht allein denn es sind längst nicht alle Fundamentalisten eine Gefahr für andere Menschen und die Gesellschaft. Damit Fundamentalisten zur Gefahr werden muss noch gemäß der materialistischen und positivistischen Denkweise noch das Bewusstsein im Besitz der „Letzten Wahrheit“ oder der „Absoluten Wahrheit“ zu sein dazu kommen und zusätzlich eine Gewaltbereitschaft gegen andere Menschen, um dieser angeblichen „Absoluten Wahrheit“ vermeintlich Geltung zu verschaffen. Da es diese letzte und absolute Wahrheit aber nicht gibt und sie dies jedoch nicht anerkennen wollen, suchen sie „Schuldige“ die angeblich für das scheitern ihrer Denkweise und für wirtschaftliche Krisen verantwortlich sind. Gefährlichen Fundamentalisten fehlt es an Moral und an Toleranz gegenüber Anderen und Andersdenkenden. Gefährlicher Fundamentalismus versucht sich einen Machtbereich zu erobern oder zu halten, in dem ihre Vorstellungen auf Kosten Anderer und Andersdenkender rigoros durchgesetzt werden können und um sich und ähnlichen Leuten materielle Vorteile zu verschaffen.

All der gefährliche Fundamentalismus hat seine Wurzel im kapitalistischen Wirtschaftssystem das eben keine harmonische Weiterentwicklung der Gesellschaft mit immer weiteren Verbesserungen für die Menschen ermöglicht, sondern extrem krisenhaft und strohfeuerartig ist und ein strukturelles Defizit hat, das zum Ausgleich fortwährend zu Expansion und Imperialismus zwingt. Wachstum, Expansionsmöglichkeiten und Imperialismus sind aber natürliche Grenzen gesetzt so das damit die Krisenhaftigkeit dieses Wirtschaftssystems immer weniger kaschiert werden kann. Mit dieser Realität konfrontiert greift der materialistisch und positivistisch denkende Mensch, vor allem auch die Herrschenden Klassen mit ihrem großen Reichtum und ihren Privilegien, erneut und vermehrt zum Fundamentalismus und auch zu seiner gefährlichen Art. So sind es eben die Trump, Bolsonaro und weltweit viele Politiker und ihre Reichen Unterstützer, die Rassismus, religiösen Fundamentalismus und den Faschismus gegen Arme Menschen fördern und propagieren. Massen von Armen und notleidenden Menschen sind der Beweis für das falsche und gescheiterte Denken und der Beweis für das schlechte Bewusstsein auch der heutigen Materialisten, den sie mangels jeglicher Moral aber nicht akzeptieren wollen.

Die extreme Gefährlichkeit des fundamentalistischen Materialismus in der Vergangenheit wird am Beispiel Eugen Dühring sehr deutlich aber auch heute stellt der fundamentalistische Materialismus eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Die Denkweise ist heute die Gleiche wie schon bei Dühring, erneut werden Religionen wie der Islam, Judentum oder auch Christentum, Flüchtende und natürlich Linke Antikapitalisten für das scheitern der eigenen Denkweise und Einstellung verantwortlich gemacht. Der antiislamische Rassismus von Sarrazin, Pegida und AFD haben diese Denkweise als Grundlage denn die angebliche Demokratie, die angebliche Soziale Marktwirtschaft, die falsch verstandene „Aufklärung“ werden als absolute und letzte Wahrheit angesehen und wer diese absolute und letzte Wahrheit nicht anerkennt, hat in deren Denken kein Platz in Deutschland und überhaupt in der Welt nicht.

Es gibt aber auch andere Ausformungen des fundamentalistischen Materialismus, er braucht sich ideologisch nicht nur auf angebliche Demokratie stützen sondern es geht auch auf Volk und Nation wie in Ungarn und Polen zum Beispiel oder auf eine fundamentalistische Pseudoreligion wie in Brasilien unter Bolsonaro. Trump in den USA benutzt auch ganz genau die Denkweise des fundamentalistischen Materialismus und er braucht natürlich Rassismus, Volksverhetzung und Verschwörungstheorien, weil seine materialistische Denkweise in der Praxis scheitern muss. Auch die absolutistischen Oligarchien Arabiens z.B sind von ihrer Denkweise her materialistisch auf ihren privaten Reichtum und ihre Macht gegründet, wobei die angeblich religiöse Ideologie gekapert und und für ihre Zwecke entsprechend und nach Gutdünken missbraucht wird. Selbst der „Kommunismus“ wird bisweilen von materialistisch denkenden Bürokraten des persönlichen Vorteiles willen gekapert und als Ideologie für persönliche Zwecke missbraucht.

Damit sind global gesehen schon kurz einige Beispiele nach oben aufgezeigt, wie die Materialisten an der Arbeit sind. Man muss aber noch tiefer gehen, um die schädlichen Auswirkungen der materialistischen Denkweise aufzuzeigen. Noch vor AFD und Pegida war der Sozialdemokratische Bürokrat Sarrazin da, der mit Hetzschriften ähnlich wie Dühring ein Wegbereiter der Faschisten gewesen ist. Und ihm wurde wie Dühring viel geholfen von Materialisten, Positivisten und von anti theistischen Atheisten. Unter Ihnen sind besonders viele die den volksverhetzenden Kreuzzug des Sarrazin unterstützt haben oder mit ihren „Thesen“ gar zu Stars der faschistischen Internetplattform PI-News geworden sind, die ganz genau der Denkweise des fundamentalistischen Materialismus folgen und deren Richtung vor Massenmord, wie der von Breivig in Schweden oder des Christchurch Attentäters, nicht zurückschrecken, durch den sie das „Abendland“ und die „weiße Rasse“ aber eigentlich ihre privilegierte Lebensweise retten wollen.

Moral und Toleranz stehen diesem gefährlichen Fundamentalismus entgegen weil er gegen die Natur des Menschen ist. Diese Moral wird allerdings auf die Probe gestellt und teilweise untergraben durch den tiefen glauben an den totalitären Kapitalismus und die angebliche Demokratie, die auf ihm angeblich entstanden ist. Doch gerade dieses „heilige“ Wirtschaftssystem produziert global und auch in Europa und Deutschland immer mehr Arme Menschen die ausgebeutet werden, Menschen die Emigrieren müssen, Milliarden Menschen die Opfer dieses untergehenden Systems sind.

Die „Antwort“ des materialistischen Mainstream, der längst auch in vermeintlich Linken Parteien wie Grüne, SPD und Die Linke eingedrungen und mehr oder weniger verwurzelt ist, ist mehr Neoliberalismus und Kapitalismus und alles zu tun um die Opfer als Beweis für das Scheitern ihrer Denkweise zu Tätern zu machen und wenn möglich sie verschwinden zu lassen. So werden Europa und alle Länder abgeschottet obwohl ihr Kapitalismus und ihre kapitalistische Politik die Ursache für enorme Fluchtbewegungen sind. Im Inneren werden ständig die Befugnisse der Polizei erhöht, zahllose Menschen werden in angeblich sichere Herkunftsländer abgeschoben und Geheimdienste haben Narrenfreiheit um Anschläge zu fördern, die dann Linken oder Geflüchteten angehängt werden.

Doch wie ist dieser gefährliche Fundamentalismus zu bekämpfen, der zu einem guten Teil aus der Denkweise des Materialismus Dühring scher Prägung besteht ?
Die Moral und die Natur des Menschen stehen diesem gefährlichen Fundamentalismus entgegen und dessen schärfste Waffe ist die humanistische Denkweise des Dialektischen Materialismus.
Karl Marx kritisierte die Hegelsche Rechtsphilosophie und verteidigte Emanuel Kant und entwickelte diesen weiter.
Karl Marx deutet den Kategorischen Imperativ von einer individuellen Handlungsmaxime zu einem revolutionären Prinzip um. So endet für ihn die Kritik der Religion „mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Diese negative Fassung des Kategorischen Imperativ ergänzt er durch die positive Forderung, für Verhältnisse einzutreten, „worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“.

Auch wir pochen auf die Moral und die Natur des Menschen und rufen mit allen die auch so denken zu Protestaktionen gegen unmenschliche, unsoziale und undemokratische Politik auf. Wir fordern die Menschenrechte ein für alle Menschen und greifen all jene Politiker und Parteien an, die der materialistischen Denkweise verfallen sind oder diese unmenschliche Einstellung praktizieren, auch wenn sie in Worten ihre falsche Moral predigen. Mit dem Sturz von Trump oder der Zerstörung von Pegida, AFD und anderer gefährlicher Fundamentalisten wird es nicht vorbei sein da auch scheinbar „gemäßigte“ der Denkweise des Materialismus und Positivismus folgen. Sie werden sich entweder auch Richtung gefährlichen Materialismus und Fundamentalismus radikalisieren oder zumindest der Moral folgen, jedoch nur soweit ihnen das auf Grundlage des Kapitalismus möglich und opportun erscheint. Eugen Dühring und seine materialistisch / positivistische Denkweise sind also leider keineswegs vergessen oder unbedeutend, wie fälschlich oft angenommen und geschrieben wird, sondern ein wesentlicher Bestandteil jedes gefährlichen Fundamentalismus.
Die materialistische Denkweise und sein untergehender Kapitalismus sind nicht akzeptabel und es gibt antikapitalistische Alternativen, wir sind mehr !

Siegfried Buttenmüller, 09.07.20


Aktuelle Wikipedia Auszüge zu Dühring und die Erläuterung des Kategorischer Imperativ bei Marx in Schrägschrift


Klassiker als Anlagen

https://www.marxists.org/archive/marx/works/1877/anti-duhring/

http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm

https://www.youtube.com/watch?v=C-aE_fBTANA

Als Hörbuch Teil 1 https://www.youtube.com/watch?v=C-aE_fBTANA