Krise in Venezuela. Sozialismus des 21 Jahrhunderts ?

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Inflation in Venezuela

"Sozialismus des 21 Jahrhunderts" ist gescheitert:
Venezuela in tiefer Krise
Die Landeswährung ist inzwischen wertlos, Millionen Menschen flüchten in das Ausland. Anstatt den Kapitalismus mit seinem Lohn-Preis-Profitsystem abzuschaffen hat das Regime versucht dieses System sozial zu gestalten und scheitert damit kläglich. Hintergründe und Texte für echten Sozialismus und Antikapitalismus auf der Seite Venezuela....


Giga Geldinflation in Venezuela 


Bildmontage: HF

Das Geld zerstört den Sozialismus!

Geld verdirbt den Charakter, wie der Volksmund immer wieder und zutreffender Weise feststellt. Doch Geld verdirbt nicht nur einen Charakter sondern ganz viele und damit verdirbt Geld die ganze Gesellschaft. Sozialismus und Kommunismus sind mit Geld nicht möglich denn solch eine Gesellschaft erzeugt und braucht gute Charakter.

Karl Marx drückte es treffender Weise so aus: „Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dieses fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an „.

Nun scheitert der sogenannte „Sozialismus des 21 Jahrhunderts" in Venezuela. Der Grund ist das Geld mit seiner Giga Inflation von 700 Prozent jährlich. Damit verringern sich soziale Leistungen, staatliche Zuschüsse, Renten, Gehälter und alles was in der Venezuelanischen Landeswährung „Starker Bolivar"  (BsF) ausgezahlt wird, um 58,3 Prozent jeden Monat. Die Menschen protestieren gegen diesen Sozialabbau durch das Geld und die „Sozialistische Partei" Venezuelas hat keine Mehrheit in dem Land mehr. Präsident Maduro und seine Regierung versuchen durch eine „Verfassungsreform" sowie Militär und Polizei an der Macht zu bleiben. Zusätzlich möchte Maduro 500 Tausend Milizionäre gegen die Demonstranten bewaffnen, wie er zumindest angekündigt hat.

Die Ursache der Krise in Venezuela ist jedoch das Geld, das kapitalistische Lohn-Preis-Profit System und dieses Geld läßt sich durch Schlagstöcke oder Kugeln nicht bändigen. Nicht einmal die NATO mit all ihren Waffen und US Präsident Trump mit all seinen Atomwaffen kann die Krise des Geldsystemes im Westen aufhalten und auch Putin und alle kapitalistischen Regierungen können das nicht.  Das Geld und das Lohn-Preis-Profit System müssen ersetzt werden, nur so kann eine neue Gesellschaft entstehen. Die Menschen in Venezuela und wir alle müssen aufhören dieses Geld das unseren Charakter verdirbt, dieses Geld das jede Gesellschaft zerstört, dieses Geld das uns von uns selbst und unserem Mensch sein entfremdet und das uns beherrscht, anzubeten. 

Dieser "Gott" des Lohn-Preis-Profit Systems, das Geld, ist nicht krank sondern selbst die Krankheit. Eigentlich wären 700 Prozent Inflation in Venezuela nicht schlimm oder schlecht. Es wäre ein Phase in der Abschaffung des Lohn-Preis-Profit Systems mit seinem Geld überhaupt. Das Problem ist jedoch das die Regierung und die meisten „Linken" selbst vom Geld beherrscht sind, sich einfach nichts anderes als dieses kapitalistische System vorstellen können und es erhalten wollen. Lohn, Preis und Profit sind aneinander gekoppelt und so müssen höhere Löhne, mehr Sozialausgaben und sonstige Ausgaben eben bezahlt werden und zudem ist das System immer defizitär, daran ändern auch Staatseingriffe und Umverteilungen nichts. Und zwar muß das Defizit bezahlt werden zum Beispiel mit Schulden, der Ausweitung der Geldmenge oder eben einer Giga Inflation wie derzeit in Venezuela, die auf ihre Weise die sozialen Errungenschaften beseitigt. Ein Raubkrieg, Kolonialismus, Verbrechen, Mafia usw. wären andere „Alternativen" die zur Stabilisierung des Geldsystems sonst angewendet werden.

In Venezuela wurde bis jetzt eine große Chance vertan dem Lohn-Preis-Profit System und der Krankheit Geld zu entkommen. Die Gesellschaft hätte in all den Jahren der "sozialistischen" Regierung auf das Ende des Geldes vorbereitet werden müssen. Man hätte als Alternative und im Schatten des untergehenden Geldsystems das Sozialistische Wirtschaftssystem etablieren müssen. Dieses basiert eben nicht auf Geld und dem Lohn-Preis-Profit System. Es basiert auf der direkten Anforderung der Güter durch die Verbraucher und zwar ohne den Umweg über Lohn, Preis, Profit und Geld. Der Bedarf hätte basisdemokratisch ermittelt werden müssen und auch die Produktion der benötigten Güter muß basisdemokratisch und in freiwilliger und gemeinnütziger Arbeit ausgeführt werden. Gleichheit und Demokratie sind hier natürlich erforderlich sonst kann dieses System nicht funktionieren, wohingegen das Geldsystem immer auch eine Klassengesellschaft mit privilegierter Bürokratie erfordert und auch erzeugt.

Der Übergang, die Beschaffung einer Ausstattung mit Maschinen und Werkzeugen hätte vorübergehend mit den enteigneten Öleinnahmen finanziert werden können. Schulen und Universitäten hätten in dieser Richtung ausbilden müssen um die Gesellschaft in die Lage zu versetzen, ein solche Alternative zum Geldsystem zu etablieren. Und man hätte für dieses System international werben müssen, anstatt Andere Länder noch auf falschen Weg und in selbige Sackgasse zu bringen.

Aber wie Marx feststellte sind die Menschen beherrscht von dem Geld und seinem Lohn-Preis-Profit System, sie waren nicht in der Lage diesen eigentlichen Feind zu erkennen. Die venezuelanische Regierung gab Kredite für „Existenzgründer", die auf eigene Rechnung Löhne, Preise und Profite erzielen sollten.

Allerdings funktioniert es mit dieser Krankheit Geldsystem nicht, wie so oft in der Geschichte. Das Geld ist mit dieser Giga Inflation kaum noch etwas Wert und man tauscht Waren, verkauft alles was man hat und es gibt wenn möglich Naturalien, sofern die Regierung oder sonst Jemand etwas zur Verfügung stellt.

So weit es die eigene Krise des Geldsystems der großen kapitalistischen Länder zuläßt werden sie „Hilfe" nach Venezuela schicken, Schulden Erlassen oder Kredite geben, jedoch nur um das Lohn-Preis-Profit System wieder in Gang zu bringen, ähnlich wie in Griechenland. Das ist ein Zusammenbruch des Systems doch leider lassen sich immer noch auch viele Linke von diesem menschenfeindlichen System beherrschen und beten es weiter an.  Und sie stecken Andere mit dieser Krankheit an und meinen es sei „Sozialismus". Das muß aufhören, Jeder einzelne muß dem System den Kampf ansagen und für eine antikapitalistische Alternative Werben.  In Venezuela aber auch in ganz Amerika, Europa und überall. Das Geld, der allmächtige „Gott" in unserer Zeit wird sterben und Geschichte werden, so oder so.

Siegfried Buttenmüller  11.8.2017


Krise des internationalen Flaggschiffes der Linken - Welche Zukunft für Venezuela ?


Bildmontage: HF

Venezuela war seit 1999 das internationale Aushängeschild und Flaggschiff der Linken. Am 6 Dezember 2015 erlitt die dort seither regierende „sozialistische" Partei eine vernichtende Niederlage. Schlimmer noch, die bürgerlichen verfügen im neuen Parlament über eine Zweidrittelmehrheit und können damit die „Dekrete" des Präsidenten Maduro zurückweisen und ein Referendum zu dessen Abwahl einleiten. Die Wahlbeteiligung war mit über 74 % hoch was zeigt, daß die Menschen Venezuelas keine Perspektive in der bisherigen Politik sehen.

Wie konnte es zu einer solch totalen Niederlage des Linken Vorzeigeprojektes Venezuela kommen ?  In einem Land das über die größten Ölvorkommen der Welt verfügt und über weitere wertvolle Recourcen wie Eisenerz, Holz und Ackerland verfügt ?

Anfänglich hatte die Regierung Venezuelas nach Machtübernahme durch den rührigen Ex Offizier Hugo Chauvez hohe Popularität. Sozialreformen wurden durchgeführt die eine Verbesserung des Lebensstandards der Masse der Bevölkerung mit sich brachte. Die Gesundheitsversorgung und die Bildung wurde für die Masse der Bevölkerung ebenfalls erheblich verbessert im Vergleich zur bürgerlichen Vorgängeregierung. Im Jahre 2002 hatte Chauvez Partei einen Putsch der von Militär, Stadtpolizei, Unternehmerverbänden, Katholischer Kirche und Gewerkschaften angeführt wurde, durch Massenmobilisierungen zurückschlagen können.

Sicher sehr gut gemeint  war die Unterstützung die Venezuela für einige Länder wie Nicaragua, Kuba und weitere Staaten leistete. Neben Finanzhilfen wurde das wichtige Öl zum halben Preis verkauft.Venezuela versuchte in Lateinamerika mit der Freihandelszone ALBA (Boliviarische Allianz der Völker) ein Gegengewicht zu den Bestrebungen der USA und der EU zu gründen.

Venezuela scheiterte jedoch weil das kapitalistische Wirtschaftssystem nicht abgeschafft wurde. Man hatte sich statt dessen auf die Öleinnahmen verlassen und so lange wie möglich damit die Sozialreformen kapitalistisch finanziert. Missmanagment, Bürokratie und die schwierigen Lage der Bevölkerung und mit all dem einhergehend der  Fachkräftemangel, schränkten diese hauptsächliche Einnahmequelle jedoch ein. Der dramatische Verfall des Ölpreises in ganz wenigen Jahren von etwa 105 Dollar je Barrel auf 44 Dollar je Barrel, bedeutete das aus für die staatskapitalistische Wirtschaft Venezuelas und damit das aus für die „sozialistische" Regierung. Brauchen würde Venezuela derzeit einen Ölpreis von 118 Dollar, um staatskapitalistisch über die Runden zu kommen.

Die Regierung Venezuelas lehnte Sozialkürzungen in Worten ab.  Um das gewaltige Defizit zu decken erhöhte die Nationalbank jedoch ständig und drastisch die Geldmenge was zu Inflationsraten bis 60 % führte, also faktisch die Einkommen und Renten jährlich etwa halbierten. Zusätzlich zur Erhöhung der Geldmengen führte die Verknappung etlicher  Waren inflationstreibend, da die Regierung an Importen und auch an der Warenproduktion im Land sparte. Dies führte auch zum wieder Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf 15 % und zur Ausweitung der ohnehin immer vorhanden gewesenen Kriminalität mit weltweit fast höchsten Mordraten, Raub usw. Die Wirtschaft Venezuelas schrumpfte zuletzt um 3 % jährlich. Zuletzt hat die Regierung Venezuelas total vor den kapitalistischen „Sachzwängen" kapituliert. Scheinbar war die Machtübergabe an die bürgerlichen Parteien alternativlos um den Abwärtstrend zu beenden. Doch auch auf privatkapitalistischer Grundlage kann Venezuela der kapitalistischen Misere nicht entkommen, wie auch auf staatskapitalistischer oder auf Basis eines Mischsystemes nicht.

Was hätte also getan werden müssen und was muß noch immer getan werden?

Der Kapitalismus ist ein Gefüge, das auf den Mechanismen Lohn, Preis und Profit beruht und die ersetzt werden müssen, wenn man den Kapitalismus ersetzen will.

Die „sozialistische" Regierung hatte daran jedoch gar nie gedacht und war auf Umverteilungen und Sozialreformen im Rahmen des kapitalistischen Systems festgelegt. So gab es zeitweilig großzügig Kredite für Kooperativen, kapitalistische Genossenschaften und „Existenzgründer", also das Kleinbürgertum. All diese Firmen konkurrierten jedoch sowohl untereinander als auch mit staatlichen Firmen und den auch vorher schon dagewesenen privaten Firmen. Die Massenkaufkraft war zwar zwischenzeitlich erhöht und so schien es eine Weile halbwegs zu funktionieren. Jedoch nur so lange der Ölpreis stieg und so lange Umverteilungen machbar waren, ohne das staatskapitalistische Wirtschaftssystem in Frage zu stellen. Wie in Jedem staatskapitalistischen Staat wurde auch in Venezuela die Staatsbürokratie zur überschweren Last, welche die Wirtschaft erdrückte und erstickte.

Das neue Bildungssystem schulte die Menschen leider nicht, wie eine sozialistische Wirtschaft und Gesellschaft funktioniert. Statt dessen verblödete es die Menschen indem es Illusionen in den „Markt" schürte und patriotisch die „Zukunft der Nation" propagierte, statt einer wirklich sozialistischen Zukunft.

Der Sozialismus ist jedoch ein System das basisdemokratisch von unten das kapitalistische Wirtschaftssystem ersetzt und kein Staatskapitalismus einer Bürokratie.  Er beruht auf den Interessen und Bedürfnissen der Verbraucher die selbst die Produktion und Verteilung der Güter basisdemokratisch organisieren und leiten.

So steht am Anfang der sozialistischen Wirtschaft die Ermittlung des Bedarfes, und zwar aller Bewohner eines Stadtteiles oder Ortes und landesweit. Der Zweite Schritt ist die Erfassung der zur Deckung dieses Bedarfes notwendigen Produktionsmittel wie Backfabriken, Agrarbetriebe, Baumaschinen, Bekleidungsindustrie, Fangflotten, Fabriken  usw. Der dritte Schritt ist der Start der sozialistischen Produktion unter Einbeziehung auch der im Kapitalismus Arbeitslosen, aller erforderlichen Fachkräfte und sonstigen Produzenten. Bürokraten und Privilegien braucht es für diese neue Art der Produktion nicht, im Gegenteil wären Sie Ursachen des Scheiterns. Geld, Löhne, Profite und Preise gibt es in diesem System nicht und auch deshalb ist es der kapitalistischen Produktion weit überlegen und ist vor allem kein Strohfeuer sondern nachhaltig. Daher gäbe es auch keine Kriminalität denn dessen Ursache ist die soziale Ungerechtigkeit, Mangel und Not. Erst auf Basis solch einer demokratischen und im Interesse aller fungierenden Wirtschaft könnte sich eine wirklich sozialistische und auch kommunistische Gesellschaft entwickeln.

Der Imperialismus, das heißt der internationale Kapitalismus, werden nicht in der Lage sein Venezuela eine gute Zukunft zu bringen. Das hat sich bereits in anderen wichtigen Ölförderländern wir Irak oder Libyen gezeigt, Länder die im totalen Chaos versinken. Die Venezuelanische Gesellschaft muß deshalb breit diskutieren wie die Zukunft ohne Staatskapitalismus und Privatkapitalismus zu gestalten ist. Aber auch international muß der Sozialismus breit auf die Tagesordnung gesetzt werden denn der Kapitalismus pfeift überall aus den letzten Löchern.

Siegfried Buttenmüller

Anlage:

Verweise zu Datenquellen und dem ABC des Kommunismus

https://www.tagesschau.de/ausland/venezuela-parlamentswahl-103.html

http://ahk.de/fileadmin/ahk_ahk/GTaI/venezuela.pdf

http://www.spiegel.de/wirtschaft/venezuela-warum-hugo-chavez-auf-seinem-oel-sitzen-bleibt-a-776450.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Ch%C3%A1vez#Armeezeit

https://de.wikipedia.org/wiki/Bolivarianische_Allianz_f%C3%BCr_Amerika

http://www.focus.de/finanzen/news/globale-rohstoffkrise-oelpreis-verfall-immer-mehr-foerder-laendern-geht-die-puste-aus_id_5038785.html